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2. Warum überhaupt Pflanzenöle?

2. Warum überhaupt Pflanzenöle?

2. Warum überhaupt Pflanzenöle?

 

Mineralöle ("Unnatürliche Körperpflege")

 

Mit der Entwicklung der Petrochemie im 20. Jahrhundert wurden und werden pflanzliche Öle und Extrakte durch preiswertere, synthetische Mineralöle ersetzt, die als Nebenprodukt aus der Erdölverarbeitung heute noch in über 70%-80% aller Kosmetikprodukte enthalten sind.

 

Diese Mineralöle heißen Paraffine (INCI: Paraffinum liquidum), Vaseline (INCI: Petrolatum), Silikone, Parabene (INCI: Methylparabene, Prophylparabene). Mineralöle werden von der Haut nicht aufgenommen ("verstoffwechselt"), bleiben somit auf der Haut oder im Körper bestehen und sind deshalb aus unserer Sicht "unnatürlich".

 

Paraffine und Vaseline werden in Körperpflegeprodukten gerne als Konsistenzgeber verwendet und stehen meistens an 2. - 4. Stelle bei den Ingredentien nach Aqua (Wasser). Die verschiedenen Parabene werden als Konservierungsstoffe eingesetzt und stehen eher am Ende der Auflistung bei den Inhaltsstoffen. Mineralöle habe eine besonders ausgeprägte hautglättende und vor allem glänzende Wirkung. Der Wasserverlust an der Hautoberfläche wird gedrosselt, was zu leichten Hautquellungen führt - das Wirkprinzip vieler, kurzfristig wirksamer Antifaltencremes. Mineralöle verschließen und versiegeln die Haut und erschweren erheblich die hauteigene Atmung und Regeneration der Haut. Wer längere Zeit mit solchen Präparaten behandelt wird, greift immer häufiger auf diese Präparate zurück, da ohne diese Präparate nach kurzer Zeit ein immer stärkeres Trockenheitsgefühl auf der Haut entsteht. Um wieder in natürliche Stoffwechselaktivitäten zurückzukehren, sind erfahrungsgemäß Umstellungszeiten von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten notwendig.

 

Pflanzliche Öle und deren Fettsäuren

 

Olivenöl, Weizenkeimöl, Arganöl, Mandelöl, Sheabutter, Nachtkerzenöl, Macadamiaöl, Palmöl, Palmkernöl, Kokosöl: Pflanzliche Öle und Extrakte - tierische Fette spielen meistens nur noch in der hochindustriellen Seifenherstellung eine Rolle -, sind fester Bestandteil der natürlichen Körperpflege. Für die Beurteilung und den Einsatz von Ölen und Extrakten in Cremes, Feuchtigkeitsmilchs, Bodylotions und Trockenölen spielt in erster Linie das Fettsäurespektrum sowie die begleitenden Inhaltsstoffe ein Rolle. Alle Öle weisen im Wesentlichen unterschiedlich große Anteile auf an den Fettsäuren Palmitinsäure, Stearinsäure, Ölsäure, Linolsäure, Palmitoleinsäure sowie Alpha-/Gamma Linolensäure sowie den Begleitstoffen Tocopherole und Phytosterole. Und ein großer Teil der Inhaltssstoffe von pflanzlichen Ölen und Extrakten sind - mit Ausnahme der essentiellen Fettsäuren - eben auch Bestandteil der Haut (Epidermis und Stratum Corneum).

 

Das konkrete Fettsäurespektrum und die begleitenden Inhaltsstoffe der einzelnen Öle und Extrakte bestimmen somit die Anwendung für die unterschiedlichen Hauttypen.

 

Es werden mehrere Gruppen von Fettsäuren unterschieden:

 

Gesättigte Fettsäuren, z. B. KokosölPalmöl

 

Palmitinsäure (Omega 6)

Stearinsäure (Omega 6)

Laurinsäure (Omega 6)

 

Einfach ungesättigte Fettsäuren, z. B. Olivenöl-PflegeserieMandelöl-LinieSheabutter-Pflegeserie

 

Olsäure (Omega 9)

Palmitoleinsäure (Omega 9)

 

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, z. B. Kloster Bio Weizenkeimöl Gesichtspflege CremeArganöl-PflegeserieOlivia Bio Hautöl mit Nachtkerzenöl - Trockenöl

 

Linolsäure (Omega 6)

Alpha-Linolensäure (Omega 3)

Gamma-Linolensäure (Omega 3)

 

Den mehrfach ungesättigten Fettsäuren kommt eine Schlüsselrolle für eine intakte Haut zu. Sie können vom Organismus nicht aus Vorprodukten umgewandelt werden. Sie können nur über die Nahrung oder von außen über die Haut aufgenommen werden. Sie werden deshalb auch essentielle Fettsäuren genannt. Der Mangel an essentiellen Fettsäuren kann zu erheblichen Hautirritationen führen, da es zu Störungen des Gleichgewichtes an Fettstoffen kommt.

 

Die Fettsäuren im Einzelnen:

 

Palmitinsäure ist mit ca. 37% der Hauptbestandteil an den Fettsäuren der Hautschicht und die am häufigsten vorkommende Fettsäure.  So hatPalmöl einen Anteil von 44% an Palmitinsäure, Kokosöl bis zu 30%. Öle mit hohen Anteilen an Palmitinsäure schützen gegen äußere Einflüsse und wirken wegen ihres hohen Schmelzpunktes konsistenzgebend. Palmitinsäure wird schwer ranzig und ist oxidationsstabil. Ihre Salze bei der Herstellung von natürlichen Körperpflegeprodukten und Seifen heißen meistens Sodium Palmitate.

 

Stearinsäure stellt ca. 10% der Bestandteile der Hautschicht. Öle mit einem hohen Anteil an Stearinsäure wirken abschirmend und schützen die Haut vor äußere Einflüsse. Auch sie wirkt konsistenzgebend. Stearinsäure und auch die Palmitinsäure zeigen manchmal die Eigenschaft, Talg bei sehr fettiger Haut nicht so leicht abfließen zu lassen. Da sich der Anteil der Stearinsäure mit zunehmendem Lebensalter verringert, wird sie gerne in Rezepturen für reife Haut eingesetzt. Ihre Salze heißen meistens Sodium Stearate.

 

Laurinsäure, eine gesättigte Fettsäure, ist Hauptbestandteil des Palmkernöls (bis zu 80%) und des Kokosöls (bis zu 60%). Öle mit ausgeprägtem Laurinsäureanteil dringen gut in die Haut ein, sorgen für ein ausgesprochen glattes, weiches Hautgefühl und haben eine antimikrobielle und pilztötende Wirkung. Die Salze heißen meistens Sodium Laureate

 

Palmitoleinsäure, eine einfach ungesättigte Fettsäure, stellt mit ca. 5% Bestandteil der hauteigenen Lipide der Haut und gilt als ausgesprochen hautwertvoll und -verträglich. Sie wirkt regenerationsfördernd und wird gerne in Präparaten für sehr trockene und reife Haut eingesetzt. Die Kombination mit Ölsäure (einfach ungesättigte Fettsäure) und gesättigten Fettsäuren führt zu geschmeidigen und pflegenden Rezepturen für feuchtigkeits- und fettarme Hautzustände.

 

Öle mit Ölsäure lassen sich gut auf der Haut verteilen und erzeugen ein weiches Hautgefühl. Sie verdrängt einen Teil der gesättigten Fettsäuren aus der Haut. Belegt ist die Fähigkeit der Ölsäure die Feuchtigkeits- und Fettschicht (Lipidschicht) der Haut durchlässiger und sie aufnahmefähiger für fettlösliche Wirkstoffe zu machen, Ölsäure macht die Haut durchlässiger und dringt in tiefere Hautschichten vor. Ihre Salze heißen meistensSodium oder Potassium Olivate.

 

Gamma-Linolensäure spielt eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung entzündlicher Prozess und damit bei Hautirritationen wie Neurodermitis und Schuppenflechte. Sie kommt in nennenswerten Anteilen im Nachtkerzenöl vor. Äußerlich aufgetragen wirkt Gamma-Linolensäure nachweislich entzündungshemmend und juckreizstillend. Sie ist Bestandteil der Zelle und Vorstufe zur Bildung essentieller Fettsäuren. Sie macht die Haut geschmeidig, so dass Stoffwechselprozesse in die Zelle und aus der Zelle ungestört ablaufen können. Sie ist für viele Hautbilder eine Wohltat. Sie wirkt IN der Haut.

 

Pflanzliche Öle und deren begleitende Inhaltsstoffe 

 

Glycerin hat eine beeindruckende Wirkung zur Feuchtigkeitsbindung und -haltewirkung in der Haut und erhöht die Elastizität der Haut. Als hauteigene Substanz der Lipidschicht ist Glycerin ausgesprochen verträglich, Irritationen sind nicht zu erwarten.

 

Carotin ist eine Vitamin A Vorstufe. Karotinhaltige Öl werden wie Vitamin A zu Regenerationszwecken der Haut eingesetzt.

 

Allantoin, wie sie in nennenswerten Anteile in der Sheabutter und im Arganöl vorkommt, ist eine Stoffwechselprodukt und hat wundheilende und zellregenerierende Eigenschaften und ist sehr hautverträglich. Sie wird deshalb in Rezepturen für entzündliche und sensible sowie fettende und unreine Hautzustände verwendet.

 

Squalane sind zu einem nenneswerten Anteil in den unverseifbaren Bestandteilen des Olivenöl enthalten und sind extrem wertvoll für die Haut.

 

Vitamine sind in fast allen Ölen als natürliche Antioxidantien in wechselnden Mengen vertreten. Hierbei spielen Vitamin A, D sowie Tocopherole (Vitamin E) eine wichtige Rolle.